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Ketamin

Substanz

Ketamin ist ein schmerzstillendes Narkosemittel, welches vor allem in der Tiermedizin eingesetzt wird. Es wird jedoch auch in der Humanmedizin zur Einleitung und Durchführung von Vollnarkosen und zur Schmerzstillung in der Notfallmedizin angewandt - stets in Verbindung mit Valium oder anderen dämpfenden Medikamenten, um den psychedelischen Effekt zu minimieren.

In Reinform ist Ketamin ein weißes, geruchloses und kristallines Pulver, welches in der Regel als Arzneimittel in einer Lösung verabreicht wird. Auf dem Schwarzmarkt wird Ketamin als weißes oder eingefärbtes Pulver gehandelt. Unter anderem ist Ketamin auch schon in Pillenform aufgetreten.
Die untersuchten Proben waren teilweise mit MDMA verschnitten und wurden auf dem Schwarzmarkt häufig als Ecstasy verkauft.

 

Szenenamen und Formen von KETAMIN

Ketamin wird z. B. auch „K“, „Ket“, „Keta“, „Super- K“, „Special K“, „Kate“, „Kitty“ und „Vitamin K“ genannt. Die flüssige Lösung wird sowohl oral konsumiert als auch intramuskulär (in den Muskel) oder intravenös (in die Vene) gespritzt. In kristalliner Form kann es geschnupft werden. Die Pillen werden geschluckt.

Es werden zwei Formen von Ketamin unterschieden:
(R)-Ketamin und (S)-Ketamin.


(S)-Ketamin ist chemisch aufbereitet. Die sedierende (beruhigende) und analgetische (schmerzstillende) Komponente wird hierbei deutlich verstärkt. User*innen sprechen dabei von einem ungleich intensiv erlebten Rauschzustand. (S)-Ketamin sollte deutlich niedriger dosiert werden als das verbreitetere (R)-Ketamin.

 

Wirkung

Das Wirkungsspektrum von Ketamin ist stark dosisabhängig und kann sehr unterschiedliche Ausprägungen haben.

Das Wirkungsspektrum lässt sich mit steigender Dosierung wie folgt beschreiben:
Bei 15 bis 25 mg (0,3 / kg Körpergewicht) stellt sich ein vergleichbar angetrunkener Zustand ein, ähnlich einem leichten Alkoholrausch.
Ab einer Dosis von 30 mg nehmen die motorischen Fähigkeiten stark ab.
Bei einer Dosierung von 30 bis 110 mg (0,4 bis 1,5 mg / kg Körpergewicht) kann sich ein als unangenehm empfundener Rauschzustand einstellen. Nebenwirkungen werden spürbar – psychedelische Effekte treten am Rande der Wahrnehmung auf.
Eine Dosis von 90 bis 160 mg (1,5 – 2 mg / kg Körpergewicht) verursachen eine stark dissoziative Wirkung. User beschreiben den Rausch mit einer fragmentarischen Auflösung der sie umgebenden Umwelt.

Der Zustand der Ich-Auflösung, wird als intensiver und stark halluzinogener Rausch beschrieben, der in Szenekreisen als „K-Hole“ bezeichnet wird. In diesem Zustand ist es nicht mehr möglich, die Kontrolle über die eigene Motorik aufrechtzuerhalten. Allgemein sind die Körperfunktionen deutlich eingeschränkt. Zudem reduzieren sich die Wahrnehmung und das Schmerzempfinden drastisch.
Es besteht besondere Verletzungsgefahr. Der Schwellenwert einer Überdosis liegt bei 450 mg (6 – 8 mg /kg Körpergewicht). Jedoch können auch geringere Dosierungen zu starken körperlichen und psychischen Nebenwirkungen führen.

Der Wirkungseintritt ist von verschiedenen individuellen Faktoren sowie der Darreichungs- und Konsumform abhängig.

  • Sniefen: Eintritt nach 3 bis 10 Minuten
  • Schlucken: Eintritt nach bis zu 20 Minuten
  • Spritzen: Eintritt direkt nach wenigen Sekunden


Die Wirkungsdauer kann bis zu 1 Stunde anhalten. Abklingende Effekte können noch bis zu 4 Stunden spürbar sein.

Folgende Wirkungen sind zu erwarten:

  • Geschmacks- und Geruchsempfinden sind ausgeschaltet
  • Rededrang und Emotionen verringern sich
  • Halluzinationen
  • Leichtigkeitsgefühle
  • Gefühl kompletter Losgelöstheit
  • eingeschränkte Handlungsfähigkeit und Wahrnehmungsleistung
  • stark abgemildertes Schmerzempfinden (Verletzungsgefahr, ohne es zu merken)
  • Verringerung von Konzentration und geistiger Leistungsfähigkeit

 

 

Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen können auftreten:

  • Erhöhung von Blutdruck und Puls
  • Übelkeit und Erbrechen
  • (vor allem bei Bewegung)
  • Angstzustände sind möglich
  • große Anstrengung beim Sprechen
  • (Sprache z.T. verwaschen und lallend)
  • Hirndrucksteigerung
  • Erhöhung des Innenaugendrucks
  • Sehstörungen
  • vermehrter Speichel- und Tränenfluss


Achtung: Durch hohe Dosen kann es zur Atemdepression kommen, wodurch akute Erstickungsgefahr besteht! Folgen einer Überdosis können plötzliche Bewusstlosigkeit (meist mit geöffneten Augen mit Gefahr der Austrocknung), Lähmungen, Krampfanfälle und Koma sein.

Nach dem Rausch können noch lange ein Schwächegefühl und paranoide Phasen auftreten. Bei einer hohen Dosis kann es zu einem Ketamindelirium kommen, welches als „K-Hole“ bezeichnet wird. Da in diesem Zustand Körperfunktionen nur noch eingeschränkt aufrechterhalten werden können, kann es zu starken Problemen mit der Motorik und der eigenen Koordination kommen. Außerdem kann es sein, dass ungewollt Körperflüssigkeiten ausgeschieden werden.
 

 

Langzeitfolgen

Auswirkungen von Langzeitfolgen sind bei Ketamin bisher nur unzureichend erforscht. Bisherige Erkenntnisse schließen auf:

  • Schädigungen an Leber und Niere
  • depressive Verstimmungen
  • Ängstlichkeit
  • Toleranzentwicklung mit einer einhergehenden psychischen Abhängigkeit
  • Inkontinenz

Es wird vermutet, dass Ketamin bereits in geringen Dosen Funktionsstörungen im Gehirn auslösen kann, was zu Gedächtnis-, Lern- und Wahrnehmungsstörungen führen kann.

 

Safer Use

Um das entstehende Risiko durch die Einnahme von Ketamin zu reduzieren, solltest du unbedingt einige Hinweise beachten. Personen mit folgenden körperlichen Beschwerden sollten auf keinen Fall Ketamin konsumieren:

  • Bluthochdruck
  • Herzstörungen
  • »grünem Star«
  • Epilepsie
  • Depressionen
  • Angina Pectoris
  • Schilddrüsenüberfunktion

Menschen mit psychischen Problemen bzw. Menschen, die sich in psychischen Belastungssituationen befinden, sollten ebenso auf den Konsum verzichten.

Es entstehen lebensbedrohliche Wechselwirkungen. Achte auf dein Setting!

Ketamin sollte nur geplant konsumiert werden!

 Die Beeinträchtigung motorischer Fähigkeiten kann zu Unfällen und Verletzungen führen. Am besten hinlegen (vor allem, wenn die nasale Dosis höher als 30 mg ist) und nie alleine sein! Ab einer Dosis von 100 – 150 mg sollte auf jeden Fall eine nüchterne Begleitperson dabei sein, die im Notfall Hilfe leisten oder holen kann!


Biete Personen im Ketamin-Vollrausch auf keinen Fall Speisen oder Getränke an! Ketamin stört die Motorik des Mund-Rachen-Raumes. Es besteht die Gefahr, sich zu verschlucken! Darüber hinaus können die Abwehrreflexe im Mund-Rachen-Raum übersteigert sein; beim Kontakt z. B. mit Wasser kann eine Verkrampfung des Kehldeckels und als Folge Atem- oder Herzstillstand auftreten! Nach Abklingen des Rausches kann Wasser getrunken werden.


Durch unterdrücktes Schmerzempfinden besteht eine erhebliche Gefahr von Verletzungen (vor allem beim Herumlaufen) und Verbrennungen (z. B. durch Heißgetränke).
Unter Ketamineinfluss nicht schwimmen oder in die Badewanne gehen – Gefahr des Ertrinkens wegen möglicher plötzlicher Bewegungsunfähigkeit.


Da die gleiche Dosis bei geringerem Körpergewicht oder kleinerer Statur meist eine stärkere Wirkung hervorruft, steigen möglicherweise auch die Risiken. Also etwas niedriger dosieren!
Ketamin sollte nicht auf vollen Magen eingenommen werden, da durch Bewusstseinstrübung
die Gefahr besteht, am eigenen Erbrochenen zu ersticken. Du solltest mindestens eine Stunde vor dem Konsum nichts essen!


Musik leise hören! Du hörst unter Ketamineinfluss manche Frequenzen nicht mehr, die dein Hörvermögen irreparabel schädigen können.


Der Ketaminrausch ist sehr anstrengend. Am Tag danach eine Erholungspause einlegen.
Vermeide während eines Ketaminrausches verantwortungsvolle Tätigkeiten! Nicht Auto oder Fahrrad fahren! Lege möglichst lange Konsumpausen ein.


Im Falle einer Bewusstlosigkeit muss Puls und Atmung des Users überwacht und bei eventuellem Herz-Kreislauf-Stillstand Erste Hilfe geleistet beziehungsweise der Notarzt gerufen werden.

 Beim Schniefen von Ketamin solltest du außerdem folgendes beachten:

  • Säubere nach dem Konsum stets die Nasenlöcher, am besten ist eine Spülung mit einer
  • milden Kochsalzlösung.
  • Der Gebrauch von Nasensprays sollte möglichst vermieden werden, da die Schleimhäute dadurch zusätzlich ausgetrocknet werden.
  • Zerkleinere die Droge zu einem möglichst feinen Pulver und das, auf einer trockenen, glatten Oberfläche. Je feiner die Droge ist, umso geringer ist das Risiko, die Nasenschleimhäute zu schädigen.
  • Statt Geldscheinen o.ä., was durch viele Hände gegangen ist und mit viel Schmutz und eventuell Krankheitserregern behaftet ist, solltest du besser bei jedem Konsum ein neues und sauberes Stück Papier oder im besten Fall ein steriles Ziehröhrchen verwenden!
  • Stecke das Röhrchen hoch in die Nase hinauf und vermeide dabei möglichst, die Nasenschleimhäute
  • zu verletzen.
  • Teile das Röhrchen nie mit anderen, da auch auf diesem Weg ein Infektionsrisiko für HIV
  • und Hepatitis besteht. Die hauptsächlichen Gefahren beim Gebrauch von Ketamin entstehen durch den intravenösen Konsum.

 

Beim Spritzen solltest du unbedingt folgendes beachten:

  • Achte darauf, beim konsumieren nicht allein zu sein und dosiere sehr niedrig! Die Spritze könnte im Arm stecken bleiben, da
  • die Wirkung sehr schnell einsetzt und eine Atemdepression auftreten kann!
  • Benutze immer eigenes, neues und sauberes Spritzbesteck!
  • Vor dem Drücken solltest du die Einstichstelle mit medizinischem Alkohol desinfizieren.
  • Teile niemals Nadeln und Pumpen mit anderen Konsumenten!
  • Vermeide es ebenfalls, den Stoff gemeinsam aufzuziehen und zu teilen, aufgrund der Infektionsgefahr mit HIV, Hepatitis, Bakterien und Pilzen.
  • Nimm immer einen neuen Filter und am besten NaCl-Lösung anstelle von Wasser.
  • Der Einstich ist in Herzrichtung und nur in Venen (dunkles Blut) zu setzen, nie in eine Arterie (helles, schaumiges Blut).

 

 

Rechtslage

Ketamin ist verschreibungspflichtig und darf nicht frei gehandelt werden.

 

Nachweisbarkeit

Je nach Häufigkeit und Dauer des Konsums kann Ketamin einige Stunden im Blut und bis zu vier Tage im Urin nachgewiesen werden.

 

Schwangerschaft

Der Konsum von Ketamin kann Erbrechen hervorrufen. Tritt dies bis zu 4 Stunden nach Einnahme der Pille auf, kann unter Umständen zu wenig Wirkstoff des Verhütungsmittels in den Blutkreislauf gelangen, so dass eine Schwangerschaft möglich ist.

Deshalb: mit Kondomen oder anderen nicht-hormonellen Verhütungsmitteln vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen!

Ketamin kann in die Plazenta und Muttermilch gelangen, der Fötus bzw. das Neugeborene wird damit geschädigt. Bei zuhohen Dosierungen kann es zu Frühgeburten kommen. Sollte Ketamin in der Notfallmedizin zum Einsatz kommen, müssen der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin unbedingt über die Schwangerschaft informiert werden. Auch wenn nur ein Verdacht besteht!

Die Einnahme von Drogen während Schwangerschaft und Stillzeit sollte unbedingt unterlassen werden.

Bei  Unsicherheiten ob die Substanz einfach so abgesetzt werden kann, ist es ratsam den Arzt oder eine Suchtberatungsstelle zu konsultieren.