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Heroin

Substanz

Heroin (chemisch Diacetylmorphin) zählt zur Klasse der Opiate und wird aus Rohopium, dem Saft der Schlafmohnkapsel, hergestellt. Heroin wird als weißes, cremefarbenes, graues oder bräunliches Pulver, als Tablette oder als brauner Teer verkauft. Die braune Farbe ist Folge der ungenügenden Reinigung des Morphins.

Es wird meist mit Substanzen wie Glukose, Kalk, Puderzucker, Koffein, Milchzucker, Mannit, Paracetamol, aber auch gelegentlich mit Giftstoffen wie Chinin oder Strychnin gestreckt und weist daher einen relativ geringen Reinheitsgehalt zwischen 3 – 15% auf. In der Szene wird Heroin auch "H"(engl.), "Braunes", "Schore" oder "Stoff" genannt.

Heroin wird geraucht, gesnieft, gedrückt oder geschluckt.

 

Wirkung

Wirkungseintritt nach wenigen Sekunden (Spritzen oder Rauchen) oder nach wenigen Minuten (Sniefen); Dauer etwa 2 – 5 Stunden

  • schmerzlindernd
  • euphorisierend
  • stimmungsaufhellend und angstlösend

Das Rush-Gefühl geht einher mit einem Wärmegefühl in der Haut, Mundtrockenheit und einem Schweregefühl in den Gliedern.

 

Nebenwirkungen

  • geistige Beeinträchtigungen
  • Verwirrung
  • Desorientierung
  • Erinnerungslücken
  • undeutliche und verwaschene Sprache
  • Koordinationsstörungen
  • extreme Verstopfung
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Juckreiz
  • Blutdruckabfall
  • Pulsverlangsamung
  • Pupillenverengung ("Stecknadel")
  • starke und lebensbedrohliche Reduktion der Atemfrequenz auf 2 - 4 Atemzüge pro Minute

Bei einer Überdosierung (tödliche Dosis bei nichttoleranten Konsumenten ist 60mg) kommt es zur Atemlähmung, die zum Tod führen kann!

 

Langzeitfolgen

  • Irreparable Schädigungen von:
  • Schleimhäuten
  • Nasenscheidewand
  • Bronchien
  • Lunge
  • Leber
  • Nieren
  • Herz
  • Venen
  • Magen-Darmtrakt
  • Gehirn

Schnelle Ausbildung einer Toleranz (Erhöhung der Dosis, um gleiche Wirkung zu erreichen) sowie das Risiko einer sich schnell entwickelnden, starken physischen und psychischen Abhängigkeit.

 

Safer Use

Um die entstehenden Risiken beim Heroin-Konsum zu reduzieren, beachte unbedingt einige Hinweise:

Achte auf dein Setting! Konsumiere möglichst in einer Umgebung, die dir ein angenehmes, positives Gefühl vermittelt und immer mit einer vertrauten Person an deiner Seite, damit Hilfe in deiner Nähe ist, wenn es zu einem Notfall kommt.

Achte auf dein Set! Die Wirkung der Droge wird außerdem durch dein momentanes Befinden (Set) bestimmt. Wer "schlecht drauf" ist, sollte grundsätzlich keine Drogen konsumieren.

Vermeide den Mischkonsum mit anderen legalen und illegalen Substanzen, da die Wirkung sonst für dich unkalkulierbar wird. Lebensgefährliche Situationen können insbesondere durch den gleichzeitigen Konsum von Heroin und Alkohol, Heroin und Kokain, Heroin und Benzodiazepinen entstehen.

Ist dir die Qualität des Heroins nicht bekannt, solltest du erst eine geringe Dosis einnehmen. Insbesondere nach einer Entgiftung kann es leicht zu Überdosierungen kommen, da die "gewohnte" Menge nicht mehr vom Körper vertragen wird.

Um das Erkrankungs- und Überdosierungsrisiko zu reduzieren, ist es besser, Heroin zu rauchen oder zu sniefen!

 

Beim Sniefen solltest du außerdem folgendes beachten:

  • Säubere nach dem Konsum stets die Nasenlöcher, am besten ist eine Spülung mit einer milden Kochsalzlösung. Der Gebrauch von Nasensprays sollte möglichst vermieden werden, da die Schleimhäute dadurch zusätzlich ausgetrocknet werden.
  • Zerkleinere die Droge zu einem möglichst feinen Pulver und das auf einer trockenen, glatten Oberfläche. Je feiner die Droge ist, umso geringer ist das Risiko, die Nasenschleimhäute zu schädigen.
  • Benutze bei jedem Konsum ein neues und sauberes Stück Papier statt einem Geldschein o. ä. Geldscheine gehen durch viele Hände und sind somit mit viel Schmutz und eventuell Krankheitserregern behaftet.
  • Stecke das Röhrchen hoch in die Nase hinauf und vermeide dabei möglichst, die Nasenschleimhäute zu verletzen.

 

Die hauptsächlichen Gefahren beim Gebrauch von Heroin entstehen durch den intravenösen Konsum. Beim Spritzen solltest du unbedingt folgendes beachten:

  • Vor dem Drücken solltest du die Einstichstelle mit medizinischem Alkohol desinfizieren.
  • Benutze immer eigenes, neues und sauberes Spritzbesteck!
  • Teile niemals Nadeln und Pumpen mit anderen Konsumenten! Vermeide es ebenfalls, den Stoff gemeinsam aufzuziehen und zu teilen, aufgrund der Infektionsgefahr mit HIV, Hepatitis, Bakterien und Pilzen.
  • Benutze Ascorbinsäure und verzichte wegen des Fruchtfleisches auf Zitronensaft.
  • Nimm immer einen neuen Filter und am besten NaCl-Lösung anstelle von Wasser. Solltest du nur Wasser zur Verfügung haben, achte darauf, dass es sauber ist!
  • Große Nadeln (16er, 18er) sind besser als kleine, da diese die Venen stark vernarben lassen.
  • Der Einstich ist in Herzrichtung und nur in Venen (dunkles Blut) zu setzen, nie in eine Arterie (helles, schaumiges Blut).

 

 

Rechtslage

Erwerb, Handel und Herstellung von Heroin ist laut BtMG verboten.

 

Nachweisbarkeit

Je nach Häufigkeit und Dauer des Konsums kann Heroin bis zu 24 Stunden im Blut und 3 – 7 Tage im Urin nachgewiesen werden. In den Haaren ist die Substanz theoretisch unbegrenzt nachweisbar.

 

Schwangerschaft

Im Gegensatz zu Alkohol, Kokain und Amphetaminen haben Heroin und andere Opiate offenbar ein geringeres Fehlbildungspotential. Jedoch verdoppelt sich vergleichsweise die Rate der Früh- und Mangelgeburten durch den reduzierten Blutfluss in der Plazenta und deren vorzeitige Lösung. In der Spätschwangerschaft kann ein abrupter Entzug der Mutter ein Entzugssyndrom beim Ungeborenen auslösen. Dieses äußert sich in starken Kindsbewegungen und unzureichender Sauerstoffversorgung, welche im schlimmsten Fall zum Tod des Fötus führen kann. Wegen der Risiken beim raschen Absetzen sollte dies nur von erfahrenen Betreuern, am besten unter stationären Bedingungen, durchgeführt werden.

Die Einnahme von Drogen während Schwangerschaft und Stillzeit sollte unbedingt unterlassen werden. Bei Unsicherheiten ob die Substanz einfach so abgesetzt werden kann, ist es ratsam den Arzt oder eine Suchtberatungsstelle zu konsultieren.